Unsersonnenstromtour Sardinien 3.0

Campingromantik – Die Wahrheit zwischen Badeponcho und Ameisenstraße

Wer an Campingurlaub denkt, hat oft Bilder von türkis blauem Wasser, romantischen Sonnenuntergängen und gemütlichen Abenden vor dem Camper im Kopf. Ist auch so, habt ihr ja gesehen. Sardinien 3.0

Mit Schlafi über den Campingplatz laufen 😂

Da ist zum Beispiel der morgendliche Spaziergang zur Toilette. Im Schlafanzug, die Toilettenrolle unterm Arm, noch etwas verschlafen und mit einem freundlichen „Buongiorno“ für die eventuellen Nachbarn. Auf dem Campingplatz kennt niemand den aktuellen Modetrend, aber jeder weiß, dass der Tag genau so beginnt.

Kosmetik ist kaum nötig. Duschbad, Zahnbürste und -pasta passen in die Tasche des Badeponchos. Meist gibt es keine Ablagen, oder sie werden beim Duschen nass. Dann reicht es, wenn es wenigstens einen Haken gibt.

Niemand schaut komisch, niemand urteilt. Jeder macht es genauso.

Irgendwie schaffen Campingplätze etwas, das im normalen Alltag selten geworden ist: Gelassenheit.

Das Finish mit bisschen Creme und Haarebürsten vollzieht sich am Auto. Umziehen- mal schnell ein frisches T-Shirt anziehen, die Badesachen wechseln oder nach dem Strandbesuch in trockene Kleidung schlüpfen. Man entwickelt mit der Zeit erstaunliche Fähigkeiten, auf engstem Raum Kleidung zu wechseln. Und wenn dabei doch einmal für einen kurzen Moment etwas mehr zu sehen ist als geplant, gehört auch das einfach zum Campingleben. Niemanden interessiert es wirklich – schließlich kennt jeder diese Situation. Egal.

Beim Kochen wird das Leben wunderbar einfach. Eine Gasflamme, ein Topf, welcher auch Pfanne sein kann und trotzdem entstehen  leckere Mahlzeiten. Und nicht mal jeden Tag kochen wir. Oft schnibbeln wir uns einen kleinen Salat: Tomaten, Gurke, Oliven. Gewürze, Öl und Balsamicoessig haben wir auch. Man braucht erstaunlich wenig, um zufrieden zu sein. Während zuhause oft die komplette Küche zur Verfügung steht, reicht unterwegs das Wesentliche. Wir essen auch mal unterwegs oder ein Menü. Alles ist möglich.

Die notwendigen Gadgets

Es gibt nur wenige Sachen, die uns wichtig sind: Trinkwasser, der Kocher, die Kaffekanne, und die Kühlbox. Letzteres haben wir uns neu gekauft. Sie wird ausgiebig getestet. Es passt alles rein, so ungefähr für 2-3 Tage. Sie kühlt wunderbar. Könnte sogar einfrieren, aber kühlen reicht uns. Manchmal steht sie mitten in der Sonne, aber macht wunderbare 8°C.

Campingplatz Nurapolis

So stehen wir für 2 Tage auf dem urigen Platz, ohne viel Schnickschnack. Von den Dünen aus sieht man nicht mal dass es hier einen Campingplatz gibt. Ja da muss man sich einfügen. Man steht zwischen den Pinien in einer Kuhle oder bisschen uneben. Oder mitten in den Ameisen. Obwohl die hier bestimmt überall sind. Als wir ankommen inspizieren sie gleich unsere Schnüre, die wir spannen, unsere Küchenbox und natürlich uns.

Sero

Kennt das noch jemand? Unseren Müll entsorgen wir zeitnah. Der Ameisen wegen. Und Frank fühlt sich wie zu unseren DDR-Zeiten. Der Müll, in Italien wird mittlerweile auch sortiert, wird nicht einfach von uns in bereitgestellte Behälter geworfen. Es gibt hier Öffnungszeiten und jemanden, der einem hilft, die verschiedenen Arten zu trennen. So war das früher mit Altglas und Papier. Da besserten wir uns das Taschengeld auf.

Mücken

Die Mücken kamen erst abends nach einem kleinen Nieselregen. Meine, aus einem zerschlissenen Fliegenvorhang angefertigten Netze, die wir vor den Fensterspalt am Auto anbringen, hindern die Mücken höchstens davor das Auto wieder zu verlassen. Autan hat sie nicht wirklich gestört 😆 Und so war 6:00 Uhr meine Nacht vorbei. Ich habe sie nicht gezählt, aber 10 waren es bestimmt.

Wir haben auf einem Campingplatz auch erlebt, dass da gespritzt wurde. Mit Schildern wurden alle darauf hingewiesen, alles geschlossen zu halten und drin zu bleiben. Insektizide, keine Ahnung. Muss nicht sein.

Heute Nacht bleiben die Fenster zu und wir machen im Auto den Camp Modus an.

Neben uns campiert diese Nacht ein Schweizer Pärchen mit Tesla Model 3 und Anhänger. Scheint ja in Verbrenner Fahrerkreisen unmöglich. „So weit und noch mit Anhänger!“ Einfach machen. Ist schön 😊

Vielleicht sind es genau diese kleinen Alltagsgeschichten, die die Campingplätze für uns in Erinnerung halten. Jeder Platz und jede Region haben ihren Charme. Wenn’s gefällt bleiben wir gern etwas länger und wenn nicht, ziehen wir einfach weiter.

Arrivederci

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